Montag, 27. Februar 2006
Samstag 18. Februar, ÖRK in Porto Alegre
Der fünfte Tag der Vollversammlung fängt wieder recht früh an: Um 8:10 fährt zwar der letzte Bus zum Campus, aber dann weiß man nicht, ob man es noch rechtzeitig zur Andacht schafft, also versuche ich den Bus eine halbe Stunde früher zu nehmen. Klappt aber nicht, weil man sich beim Frühstück noch mal über die wichtigsten Themen von Gerstern und heute unterhält.
Ich habe Glück und komme dennoch rechtzeitig zur Andacht.
Danach haben wir wie jeden Tag eine Stunde Bibelarbeit. Die Gruppe hat sich mittlerweile an einander gewöhnt und die Gespräche über die Texte werden immer besser. Man lernt gerade so auch die Kultur der anderen und ihre Denkweise kennen. Die kleine Gruppe von 7 Leuten gibt einem ein Stück Halt im Trubel der Versammlung. Jeder kann sich noch einmal sammeln, bevor es mit den ökumenischen Gesprächen losgeht.

Nach einer kurzen Pause, in der ich noch weiter mit einigen aus der Bibelarbeitsgruppe gesprochen habe, fängt mein ökumenisches Gespräch an. Anders als in den letzen zwei Tagen haben wir nach einem kurzen Input viel Zeit uns auszutauschen und zu diskutieren. Thema dieser Gruppe ist der Umgang mit der Natur als Schöpfung Gottes und in diesem Zusammenhang die „neuen Technologien“ (z.B. Windkraft, Fotovoltaik aber auch Atomkraftwerke).
Einig sind wir uns alle, dass man noch vielmehr versuchen muss die Menschen aufzuklären, wie wenig Öl wir noch haben und wo überall noch Sparpotential steckt. Wir müssen alle noch einmal unsere Lebensweise überdenken und ändern, wenn wir die Natur nicht völlig zerstören wollen. Aber viele Menschen haben keine andere Wahl und müssen Beispielesweise ein Stück Urwald roden, um überleben zu können. Deswegen muss auch Armutsbekämpfung als Mittel zum Schutz der Welt eingesetzt werden.
Aber ohne dass wir in unserem Umfeld nicht selbst tätig werden wird sich nicht viel ändern, deswegen kommt meine Gruppe dazu, dass möglichst viele sich zusätzlich politisch in diesem Feld engagieren sollen.
Ein Vorschlag für das Thema der nächste Vollversammlung wurde schon vorgebracht: Die „Green Assembly“. Nötig wäre es alle mal.

Schnell was zu Mittag essen, denn heute ist ein zusätzliches Plenum einberufen worden. Es geht um wirtschaftliche Gerechtigkeit und das AGAPE Dokument, dass als Hintergrundpapier zuvor an alle verschickt worden ist.
Im eigentlichen Plenum am Donnerstag hatten wir keine Zeit darüber zu diskutieren und dem Thema wirklich nahe zu kommen, deswegen der neue Termin.
Leider ist auch hier wieder die Zeit knapp und bevor man richtig eingestiegen ist fängt schon die nächste Sitzung an.
Einig ist man sich jedoch darüber, dass an dem AGAPE Bericht weiter und vertiefend gearbeitet werden soll. Gerade die jungen Delegierten fordern dringend auf mehr zu tun, konkrete Schritte zu gehen als ökumenischer Rat. Die Kirchen werden aufgefordert bekennender zu sein und konkreter Stellung zu dem Thema Armut zu beziehen. Die EKHN ist mit ihrem Bericht über Reichtum und Armut eine der wenigen „Nordkirchen“, die dies schon getan haben. Dies wird sogar im AGAPE Text lobend erwähnt.

Nicht weit von diesem Thema ist der Inhalt der nächsten Plenumssitzung zur Dekade zur Überwindung von Gewalt.
Es ist Halbzeit der Dekade und wir können schon ein bisschen Bilanz ziehen. Es ist noch viel zu tun, Pagura, Präsident des ÖRK spricht davon, dass es unsere Aufgabe sein muss die „ismen“ dieser Welt auszurotten, die ihre Schönheit zertören.
Tale Hungnes, eine junge Frau aus Skandinavien, die für die Organisation Changemaker in Porto Alegre ist, macht noch einmal klar wie viel Geld allein in Kriege und Waffen investiert wird, statt in den Frieden.
Es sei unabdingbar sich auch persönlich immer wieder zu treffen um Vorurteilen und Gewalt vorzubeugen, so Hungnes.

Mr. Olara A Otunnu (LBL Foundation for Children) schockiert die Versammlung mit seinem Bericht über den Genozid im Norden Ugandas. Schon wieder wird weggesehen, obwohl die Menschen schon zuvor immer gesagt haben, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

Aber es gibt auch immer mehr Projekte und Organisationen, die zeigen, dass es auch anders geht. Viva Rio stellte noch die Arbeit gegen Gewalt in Rio de Janeiro durch eine sehr eindrucksvolle Präsentation vor.
Der Schlusssatz von Tale Hungnes ist ein Zitat von Gandhi: We must bet he change we wish to see in the world.

Betreten aber dennoch hoch motiviert etwas zu ändern gehe ich zur Abendandacht. Es tut gut, hier noch einmal zu entspannen und zu beten um den weiteren inoffiziellen Treffen frisch entgegentreten zu können, bevor ein langer und ereignisreicher Tag zu ende geht.

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EKHN