Dienstag, 21. Februar 2006
Kirchliche Einheit in Vielfalt
Montag, 20.02.06
Zum Tagesthema „Kirchliche Einheit“ wurden nicht nur zahlreiche Vorträge im Plenum der Vollversammlung gehalten, sondern auch die meisten Workshops am Montag bezogen sich auf dieses Thema.
„Diversity as a Basis for Unity“ – „Vielfalt als Grundlage für Einheit“ hieß der Workshop, den das Europäische Forum für Christliche Lesben- und Schwulengruppen angeboten hat, zu deren Gruppe wir gehören.
Über 80 WorkshopteilnehmerInnen diskutierten eineinhalb Stunden lang über das Thema Lesben und Schwule in den Kirchen des ÖRK. Nicht erst seit Porto Alegre – und nicht nur im ÖRK - löst dieses Thema kontroverse Diskussionen und erhitzte Debatten aus. „Lesben und Schwule werden in der Hölle brennen!“, sagte ein Delegierter schon am ersten Tag der Vollversammlung einem Bekannten von uns ins Gesicht. Solche Meinungen sind sicherlich selten, aber es gibt sie – auch beim ÖRK. Andere erleben wir dagegen als sehr offen und interessiert am respektvollen Austausch über das Thema.
Obwohl nach der Vollversammlung in Harare im Jahr 1998 ein Ausschuss zum Thema Menschliche Sexualität eingerichtet wurde, der noch in diesem Jahr einen Bericht veröffentlichen wird, ist das Thema auf der offiziellen Tagesordnung des ÖRK in Porto Alegre nicht zu finden.
Der Bedarf darüber zu reden, ist nach unserer Wahrnehmung seit Harare aber nicht kleiner geworden. Im Gegenteil. Die TeilnehmerInnen an unserem Workshop kamen aus allen fünf Kontinenten. Interessierte aus Brasilien, Chile, Argentinien, Mexiko und Bolivien waren genauso vertreten wie TeilnehmerInnen aus Kenia, Uganda, Nigeria, Südafrika, Indien, Südkorea, Australien, Kanada, den USA, Philippinen und aus vielen Europäischen Ländern. Sie gehörten einer Vielzahl verschiedener Konfessionen an – inklusive römisch katholisch und orthodox. Die Vielzahl der persönlichen und theologischen Meinungen lässt sich schon allein aus diesen Daten erahnen. Der Schwerpunkt des Workshops lag daher darauf, in kleinen Gruppen eigene Erfahrungen zum Thema Homosexualität auszutauschen. Es wurde darüber diskutiert, warum Vorurteile, Ausgrenzung und sogar Gewalt gegen Lesben und Schwule auch in christlichen Kirchen immer noch keine Seltenheit sind. Viele machten dafür vor allem Unsicherheit, Unwissenheit und Ängste verantwortlich. „Wenn wir nur über Lesben und Schwule reden statt mit ihnen, werden die Vorurteile und Ängste auch weiterhin bleiben“, sagte eine Frau von den Philippinen. „Deshalb ist es so wichtig, dass auch hier auf der Vollversammlung des ÖRK über dieses Thema geredet wird.“
Umso bedauerlicher ist es, dass es bisher nur in Arbeitsgruppen auf dem „Marktplatz“ möglich ist darüber zu diskutieren und nicht in den offiziellen Sitzungen des ÖRK. Erfreulich ist dagegen, dass Desmond Tutu, der ehemalige anglikanische Erzbischof von Südafrika, bei seinem Gastvortrag in der Plenumssitzung zum Thema „kirchliche Einheit“ Lesben und Schwule als Gottes Kinder und als Teil der kirchlichen Einheit ausdrücklich erwähnt hat. Für uns ist Desmond Tutus Rede ein Hoffnungszeichen. Bis der ÖRK seine solche Meinung teilt, ist es noch ein weiter Weg.

Kerstin Söderblom
Randi O. Solberg

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