Montag, 20. Februar 2006
Wo ist Gott in Lateinamerika am Werk?
Unter dieser grossen Fragestellung stand der heutige Sonntag in Porto Alegre.

Nach den vielen Tagen mit ausgefuelltem Tagungsprogramm fand ich es schoen, dass diese Frage zuerst im Gottesdienst beantwortet wurde. Dort, wo sich Christinnen und Christen in Gottes Namen versammeln, da ist Gott am Werk, hier in Porto Alegre, in Lateinamerika und ueberall auf der Welt.

Die christlichen Gemeinden von Porto Alegre hatten die Teilnehmer der Vollversammlung zu sich in die Gemeindegottesdienste eingeladen. Wir konnten selbst waehlen, in welchen Gottesdienst wir gehen wollten: anglikanisch, reformiert, lutherisch, pfingstlerisch, methodistisch oder baptistisch.

Ich habe mich fuer die Lutheraner entschieden, weil ich mit dieser Kirche durch familiaere Kontakte schon seit Jahren verbunden bin und ein wenig “Heimatgefuehle” auffrischen wollte.

Beginn: zehn Uhr. Ich war sehr dankbar fuer die Gelegenheit, einmal laenger ausschlafen zu koennen (dies fuer alle, die die normale Anfangszeit der evangelischen Gottesdienste als “zu frueh” empfinden.)

Eine erstaunlich grosse Kirche, im Grunde wie eine Stadtkirche in Deutschland, in der sich einige hundert Menschen versammelt hatten, darunter auch ein guter Teil der EKD Delegation.

Gebete, Lesungen und Ansprachen wurden in deutsch und in portugiesisch gesprochen, auch die Lieder waren zweisprachig abgedruckt. “Herr, deine Liebe” einmal auf portugiesisch zu singen, war auch ein Erlebnis.

Die Predigt hielt Bischof Hein von der Evangelischen Kirche in Kurhessen-Waldeck. Er verband das Motto der Vollversammlung mit dem Predigttext von der Heilung eines Gelaehmten, der durch das Dach hinunter zu Jesus gelassen wird.

Nach dem Gottesdienst gab es ein Churasco, ein Mittagessen der Gemeinde zusammen mit den Gaesten, bei dem auf brasilianische Art gegrillt wurde. An den Tischen ergaben sich viele gute Gespraeche. Ich war erstaunt, wie viele Brasilianer dieser Gemeinde noch perfekt deutsch sprechen konnten, obwohl ihre Familien bereits seit mehreren Generationen in Brasilien leben.

Auf dem Tagungsgelaende ging es dann erst ab 16.30 Uhr weiter mit einer Praesentation ueber Lateinamerika. Auch hier wurde der Frage nachgegangen, wo Gottes Wirken hier sichtbar ist.

Das Ganze wurde als eine Art Rollenspiel mit Multimediaeinlagen vorgetragen. Diese Art der Vorfuehrung mit Musik, Einspielung von Filmszenen und Interviews mit lateinamerikanischen Theologen war sehr beeindruckend.

Allerdings hat mich enttaeuscht, dass das Gastland Brasilien nicht staerker im Mittelpunkt der Praesentation stand. Auch war die Darstellung leider eher rueckwaertsgewandt von Revolutionsromantik und linker Ideologie gepraegt, als sich den aktuellen und zukunftsweisenden Fragen zu stellen, vor denen dieser Kontinent steht.

Walter Schneider

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