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Samstag, 18. Februar 2006
Lange Tage, kurze Naechte in Porto Alegre
w.schneider, 15:41h
Der Wecker klingelt um kurz nach sechs Uhr. Wieder wartet ein langer Tag und ein vielfaeltiges Programm auf die Delegierten der Tagung und auf die Teilnehmenden des mutirão, des Veranstaltungsprogramms rund um die Vollversammlung.
Die Diskussionen und Entscheidungen des Plenums sind nur ein Teil der Konferenz. Porto Alegre: das ist auch eine hoerende, betende und feiernde Gemeinschaft von Christinnen und Christen aus aller Welt, die sich hier versammelt haben, mit vielen Kontakt- und Gespraechsmoeglichkeiten.
Ein typischer Tag beginnt um 8.30 Uhr mit einer Morgenandacht im riesigen Gottesdienstzelt auf dem Parkplatz der Katholischen Universitaet von Porto Alegre, auf deren Gelaende die Tagung zu Hause ist. Die Andacht wird von verschiedenen Gruppen vorbereitet und verwendet die Lieder, Gebete und Texte des Gottesdienstbuches der Vollversammlung. Ich freue mich schon darauf, einige davon in unsere deutschen Gemeinden mitzubringen.
Es folgen Bibelarbeiten, in Kleingruppen fuer die Delegierten, und in drei Sprachgruppen fuer die Teilnehmenden des mutirão. Aus biblischer Sicht wird das Thema: "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt", im Licht der eigenen Lebenszusammenhaenge interpretiert. - "Das ist genau wie bei uns in Brasilien", sagte heute eine junge Frau aus Rio de Janeiro, die dort in den Elendsvierteln arbeitet. Der gegenseitige Austausch ueber Bibeltexte ist so sehr befruchtend.
Der Rest des Tages ist gefuellt mit der Arbeit im Plenum und mit dem bunten Programm des mutirão mit workshops, Vorfuehrungen und Diskussionsrunden. Heute und in den kommenden zwei Tagen gibt es fuer die Delegierten noch "Oekumenische Gespraeche" in kleineren Gruppen von 30 bis 40 Personen. Der Austausch hier soll dazu beitragen, dass mehr Stimmen in den Meinungsbildungsprozess einfliessen, als dies durch die Diskussion im Plenum mit 738 Personen moeglich ist.
Zwei Themen wurden heute im Plenum besprochen. Das Thema "Globalisierung" wurde durch eine Praesentation eingebracht, die der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, moderiert hat.
Den Abschluss bildete die Verlesung des AGAPE-Aufrufs (Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde) auf den die Versammlung geantwortet hat mit dem Gebetsruf: "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt." Alle Kirchen sind aufgefordert, das Thema Globalisierung weiter zu verfolgen und sich fuer Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Handeln einzusetzen.
Entschieden hat die Vollversammlung auch ueber die Einfuehrung des "Konsensverfahrens" zur Entscheidungsfindung, anstatt mit Mehrheitsentscheidung durch foermliche Abstimmung. In einem Rollenspiel wurde die neue Verfahrensweise eindruecklich demonstriert. Wie und ob sich die Konsensfindung allerdings im Plenum mit ueber 700 Delegierten verwirklichen laesst, werden erst die naechsten Tage zeigen, wenn wirkliche Entscheidungen anstehen.
Nach der Plenumsdarbeit wird der Tag gemeinsam beschlossen mit einer Abendandacht um 18.45 Uhr im Gottesdienstzelt. Danach geht es mit Bussen quer durch die Stadt "heim" in die Hotels. Aber auch hier gehen der Austausch und die Diskussionen weiter, im Restaurant oder an der Bar. Schliesslich geht es irgendwann ins Bett, denn morgen wartet wieder ein Tag auf uns mit neuen Eindruecken.
Walter Schneider
Die Diskussionen und Entscheidungen des Plenums sind nur ein Teil der Konferenz. Porto Alegre: das ist auch eine hoerende, betende und feiernde Gemeinschaft von Christinnen und Christen aus aller Welt, die sich hier versammelt haben, mit vielen Kontakt- und Gespraechsmoeglichkeiten.
Ein typischer Tag beginnt um 8.30 Uhr mit einer Morgenandacht im riesigen Gottesdienstzelt auf dem Parkplatz der Katholischen Universitaet von Porto Alegre, auf deren Gelaende die Tagung zu Hause ist. Die Andacht wird von verschiedenen Gruppen vorbereitet und verwendet die Lieder, Gebete und Texte des Gottesdienstbuches der Vollversammlung. Ich freue mich schon darauf, einige davon in unsere deutschen Gemeinden mitzubringen.
Es folgen Bibelarbeiten, in Kleingruppen fuer die Delegierten, und in drei Sprachgruppen fuer die Teilnehmenden des mutirão. Aus biblischer Sicht wird das Thema: "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt", im Licht der eigenen Lebenszusammenhaenge interpretiert. - "Das ist genau wie bei uns in Brasilien", sagte heute eine junge Frau aus Rio de Janeiro, die dort in den Elendsvierteln arbeitet. Der gegenseitige Austausch ueber Bibeltexte ist so sehr befruchtend.
Der Rest des Tages ist gefuellt mit der Arbeit im Plenum und mit dem bunten Programm des mutirão mit workshops, Vorfuehrungen und Diskussionsrunden. Heute und in den kommenden zwei Tagen gibt es fuer die Delegierten noch "Oekumenische Gespraeche" in kleineren Gruppen von 30 bis 40 Personen. Der Austausch hier soll dazu beitragen, dass mehr Stimmen in den Meinungsbildungsprozess einfliessen, als dies durch die Diskussion im Plenum mit 738 Personen moeglich ist.
Zwei Themen wurden heute im Plenum besprochen. Das Thema "Globalisierung" wurde durch eine Praesentation eingebracht, die der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, moderiert hat.
Den Abschluss bildete die Verlesung des AGAPE-Aufrufs (Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde) auf den die Versammlung geantwortet hat mit dem Gebetsruf: "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt." Alle Kirchen sind aufgefordert, das Thema Globalisierung weiter zu verfolgen und sich fuer Gerechtigkeit im wirtschaftlichen Handeln einzusetzen.
Entschieden hat die Vollversammlung auch ueber die Einfuehrung des "Konsensverfahrens" zur Entscheidungsfindung, anstatt mit Mehrheitsentscheidung durch foermliche Abstimmung. In einem Rollenspiel wurde die neue Verfahrensweise eindruecklich demonstriert. Wie und ob sich die Konsensfindung allerdings im Plenum mit ueber 700 Delegierten verwirklichen laesst, werden erst die naechsten Tage zeigen, wenn wirkliche Entscheidungen anstehen.
Nach der Plenumsdarbeit wird der Tag gemeinsam beschlossen mit einer Abendandacht um 18.45 Uhr im Gottesdienstzelt. Danach geht es mit Bussen quer durch die Stadt "heim" in die Hotels. Aber auch hier gehen der Austausch und die Diskussionen weiter, im Restaurant oder an der Bar. Schliesslich geht es irgendwann ins Bett, denn morgen wartet wieder ein Tag auf uns mit neuen Eindruecken.
Walter Schneider
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Freitag, den 17.2. Menschenrechte
h.rau, 03:50h
Luiz Inacio Lula da Silva, der brasilianische Praesident, hat heute morgen die Vollversammlung des Oekumenischen Rates besucht, um alle Teilnehmer in Porto Alegre zu begruessen. Gleichzeitig bedankt er sich fuer die wichtige Arbeit der Kirchen weltweit.
Der heutige Tag stand heute fuer mich unter dem Thema 'Menschenrechte'. Bereits waehrend der oekumenischen Gespraeche berichtete Bischof Aldo Etchegoyen aus Argentinien ueber die Zeit der Militaerregierung von 1976 bis 1983. Waehrend dieser Zeit wurden Menschen verfolgt und misshandelt und nicht selten sind sie verschwunden, ohne dass ihre Familien jemals etwas ueber ihren Verbleib erfahren haben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Vollversammlung sind die 'Mutiraos'. Mutirao ist ein vielfaeltiges Programm, das die Teilnehmer inspirieren, herausfordern und begeistern soll. In diesen workshops wird ueber unterschiedliche Themen informiert und anschliessend darueber diskutiert.
Heute nachmittag hat der Mutirao-workshop zum Thema "Menschenrechte und die Kirchen -
Der Schrei der Menschen von Westpapua nach Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden" stattgefunden.
West-Papua ist der westliche Teil der Insel Neu-Guinea. 1963 wurde es von Indonesien besetzt, nach einer langen Kolonialgeschichte unter den Hollaendern. Seit dieser Zeit hat Indonesien der indigenen Bevoelkerung ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht anerkannt.
West-Papua ist ein reiches Land mit vielen Bodenschaetzen wie Gold, Silber und Kupfer, trotzdem kommen diese Gewinne der Bevoelkerung nicht zugute. 90% der indigenen Bevoelkerung ist christlich.
Nach dem Fall Suhartos wurde ein Gesetz fuer eine besondere Form der Autonomie auf den Weg gebracht. Trotzdem gibt es weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Gewalt.
In dem Plenum des workshops berichteten Vertreter der indigenen Bevoelkerung, der indonesischen Kirche, aber auch Vertreter der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) aus Europa und Afrika ueber ihre Erfahrungen. Bischof Kameeta aus Namibia, der selbst den langen Prozess der friedlichen Auseinandersetzung in Namibia erlebt hat, betonte, dass Militaer und Gewalt nicht zu Loesungen fuehren . Militaer kann Widerstand nicht zum Schweigen bringen. Wichtiger ist es, dass beide Konfliktpartner in gerechte und ehrliche Verhandlungen eintreten.
Die Kirchen in der weltweiten Oekumene haben hier die Aufgabe, auf Menschenrechtsverletzungen oeffentlich hinzuweisen und Stellung zu beziehen.
Menschenrechtsarbeit sollte in allen Landeskirchen eine wichtige Rolle spielen.
Das Thema 'Gewalt ueberwinden' steht fuer morgen auf der Tagesordnung.
Helga Rau
Der heutige Tag stand heute fuer mich unter dem Thema 'Menschenrechte'. Bereits waehrend der oekumenischen Gespraeche berichtete Bischof Aldo Etchegoyen aus Argentinien ueber die Zeit der Militaerregierung von 1976 bis 1983. Waehrend dieser Zeit wurden Menschen verfolgt und misshandelt und nicht selten sind sie verschwunden, ohne dass ihre Familien jemals etwas ueber ihren Verbleib erfahren haben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Vollversammlung sind die 'Mutiraos'. Mutirao ist ein vielfaeltiges Programm, das die Teilnehmer inspirieren, herausfordern und begeistern soll. In diesen workshops wird ueber unterschiedliche Themen informiert und anschliessend darueber diskutiert.
Heute nachmittag hat der Mutirao-workshop zum Thema "Menschenrechte und die Kirchen -
Der Schrei der Menschen von Westpapua nach Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden" stattgefunden.
West-Papua ist der westliche Teil der Insel Neu-Guinea. 1963 wurde es von Indonesien besetzt, nach einer langen Kolonialgeschichte unter den Hollaendern. Seit dieser Zeit hat Indonesien der indigenen Bevoelkerung ihr Recht auf Selbstbestimmung nicht anerkannt.
West-Papua ist ein reiches Land mit vielen Bodenschaetzen wie Gold, Silber und Kupfer, trotzdem kommen diese Gewinne der Bevoelkerung nicht zugute. 90% der indigenen Bevoelkerung ist christlich.
Nach dem Fall Suhartos wurde ein Gesetz fuer eine besondere Form der Autonomie auf den Weg gebracht. Trotzdem gibt es weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Gewalt.
In dem Plenum des workshops berichteten Vertreter der indigenen Bevoelkerung, der indonesischen Kirche, aber auch Vertreter der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) aus Europa und Afrika ueber ihre Erfahrungen. Bischof Kameeta aus Namibia, der selbst den langen Prozess der friedlichen Auseinandersetzung in Namibia erlebt hat, betonte, dass Militaer und Gewalt nicht zu Loesungen fuehren . Militaer kann Widerstand nicht zum Schweigen bringen. Wichtiger ist es, dass beide Konfliktpartner in gerechte und ehrliche Verhandlungen eintreten.
Die Kirchen in der weltweiten Oekumene haben hier die Aufgabe, auf Menschenrechtsverletzungen oeffentlich hinzuweisen und Stellung zu beziehen.
Menschenrechtsarbeit sollte in allen Landeskirchen eine wichtige Rolle spielen.
Das Thema 'Gewalt ueberwinden' steht fuer morgen auf der Tagesordnung.
Helga Rau
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